Eines der schönsten Erlebnisse im Sommer ist es, an einem heißen Tag ein erfrischendes Glas Wasser genießen zu können. Etwas Einfaches, das für uns alle zugänglich ist. In vielen anderen Ländern und Regionen kann dies jedoch äußerst schwierig und unzugänglich sein.
Zu der Zeit, als Jesus lebte, war der Zugang zu Wasser ebenfalls nicht so selbst-verständlich und einfach. Die Menschen hatten kein Leitungswasser und mussten Trinkwasser aus Brunnen oder Quellen holen. Die Familien aus der Umgebung mussten täglich Wasser für ihre Haushalte holen.
Im Evangelium nach Johannes 4, 10-15 lesen wir, dass sich an einem heißen Sommermittag Jesus einem Brunnen näherte und ein Gespräch mit einer Frau begann. Als Reisender, der nur auf der Durchreise war, bat Jesus, durstig und müde: Gib mir ein wenig Wasser zu trinken, da er keinen Krug dabei hatte, um Wasser aus dem Brunnen zu schöpfen. Doch die Frau, eine Samariterin, die von der Kühnheit dieses unbekannten Juden sehr beeindruckt war, antwortete mit einer Gegenfrage: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?“ Diese beiden Völker standen in keinem guten Verhältnis zueinander.
Und Jesus antwortete: „Wenn du wüsstest, wer es ist, der dich bittet, würdest du ihn bitten, und er würde dir das Wasser des Lebens geben. Denn wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zu einer Quelle werden, die zum ewigen Leben quillt.“ Da bat die Samariterin: „Gib mir dieses Wasser, damit ich nie wieder Durst habe.“ Jesus präsentiert sich als Wasser des Lebens! Ein Wasser, das den Durst für immer stillt.
Jesus wusste jedoch, dass es zwei Arten von Durst gibt. Den körperlichen Durst, der mit Wasser gestillt wird und immer wiederkehrt. Und den Durst, den Hunger, die Suche nach einem Wasser, das die Seele stillt, das Frieden, Freude und Sinn schenkt. Für diesen Durst bietet er sich selbst an. Für diesen Durst ist er Wasser, Stillung, Antwort. Dieses Durstgefühl kann er für immer stillen. So sehr, dass der Mensch, sobald es gestillt ist, selbst zur Quelle wird, aus der das ewige Leben quillt.
Jesus kannte den Durst der Samariterin, er kannte ihre Entscheidungen und ihre Suche. Deshalb spricht Jesus das Thema an. Jesus kommt entgegen, beginnt einen Dialog und macht ein Angebot. Er kennt auch unseren Durst. Auch heute noch schenkt Jesus gnädig und ohne Zwang das Wasser des Lebens. Wasser, das Durstige in überfließende Quellen verwandelt.
Ihre Pfarrerin Sinara Grellmann
